
Das etwas andere Buswartehäuschen in Unterlengenhardt
Das Dorf Unterlengenhardt
(aus einer Broschüre von 1985 "50 Jahre anthroposophische Initiativen in Unterlengenhardt"
hrsg. vom 'Verein für ein erweitertes Heilwesen' - heute 'Verein anthroposophisches Heilwesen')
Das kleine Bauerndorf Unterlengenhardt, von dem im folgenden die Rede sein soll, liegt 580 m hoch am Rande des Nordschwarzwaldes auf einer Hochebene oberhalb der Badestadt Liebenzell. Von Wäldern umgeben, weitet sich der Blick über das Nagoldtal nach Südosten bis zu den Höhenzügen der Schwäbischen Alb. Unmittelbar frägt man sich: warum Unterlengenhardt, eigentlich müßte der Ort doch Oberlengenhardt heißen? Es befindet sich jedoch ganz in der Nähe ein anderes, ebenso langgestrecktes Dorf, das infolge seiner noch etwas höheren Lage Oberlengenhardt benannt wurde.
Vor 50 Jahren mußte der seltene Autofahrer noch auf die Löcher im Schotterbelag, auf die Kuh- und Pferdefuhrwerke und auf die vom anliegenden Misthaufen herüberflatternden Hühner aufpassen. Damals, als der Fußmarsch noch zur Tagesordnung gehörte, kam auch der Postbote täglich zu Fuß mit seinem schweren Rucksack den Weg über die Burg heraufgestiegen und verteilte von Haus zu Haus die Post. Aber auch heute noch kennt das alte Waldhufendorf keinen Durchgangsverkehr, da die über zweieinhalb Kilometer hin sich erstreckende Dorfstraße, welche von der Hauptstraße nach Schömberg abzweigt, in einzigartiger Weise blind endet und so die friedliche Ruhe des Ortes und vor allem des Krankenhaus- und Kurgebietes gewährleistet. Erst in den sechziger Jahren wurde die Straße asphaltiert, bekam eine Beleuchtung und wurde in den siebziger Jahren in den allgemeinen Busverkehr mit einbezogen.
Mancherlei Spuren, vor allem uralte Gräber und gemauerte Brunnen im Waldgebiet
zwischen Unterlengenhardt und Bieselsberg, sowie die großen Katzensteine am Hang
unterhalb der Burghalde, deuten darauf hin, daß das Gebiet im Umkreis schon von
den Kelten bewohnt war. Aber erst in den frühesten nachchristlichen
Jahrhunderten begannen die Alemannen allmählich mit einer Besiedelung der
Schwarzwaldtäler. Der eigentliche Ursprung von Unterlengenhardt reicht wohl bis
in das 11. Jahrhundert zurück, als der berühmte Abt Wilhelm des
Clunyazenser-Klosters Hirsau die Rodung und Besiedlung der damals noch mit
prächtigem Mischwald bewachsenen Hochflächen förderte. Einer seiner Lokatores -
Männer, die berufen waren, geeignete Gebiete ausfindig zu machen - mag eine
große Freude daran gehabt haben, dieses günstige, leicht erreichbare Gelände
entdeckt zu haben.
Allerdings sollte es noch lange Zeit dauern, bis die Nähe zu den Thermalquellen im Tal das Schicksal der Gemeinde wesentlich mitbestimmte. Waren doch die heilerischen Impulse, die sich in den letzten Jahrzehnten hier entwickelten, atmosphärisch und geologisch gleichsam vorbereitet. Denn das große, unterirdische Thermalwasser-System erstreckt sich von seinem Zentrum im weltberühmten Baden-Baden über Bad Herrenalb und Wildbad bis nach Bad Liebenzell. Die heilkräftigen Quellen waren es ja auch, die schon den berühmten Arzt Paracelsus um die Jahre 1524 bis 1526 auf seinen Forschungsreisen nach Liebenzell, der Stadt der heiligen Lioba, hinzogen. In Unterlengenhardt selbst bestimmt vorwiegend die frische, reine Waldluft das gesundende, leichte Reizklima, welches dem benachbarten Schömberg seinen Ruf als hervorragenden Luftkurort für Lungenkranke gegeben hat.
Durch die ... Institutionen, die in Unterlengenhardt im Laufe der letzten 50
Jahre entstanden, wurde das ehemalige kleine Bauerndorf zu einem bekannten und
vielbesuchten Ort, trotz seiner Abgelegenheit. Hierzu hat auch folgende Episode
beigetragen:
Unterlengenhardt widerstand jahrelang den Bestrebungen der Stadt Bad Liebenzell,
das Dorf einzugemeinden. Im Jahre 1971 war es dann aber soweit, daß die
Eingemeindung gemeinsam mit anderen umliegenden Ortschaften vollzogen wurde.
Zuvor war 1968 bereits die einklassige Dorfschule aufgelöst worden, und die
Kinder mußten nach Bad Liebenzell zur Schule gehen. Allmählich wurden immer mehr
Bauernhöfe aufgegeben, und viele Neubauten entstanden. Das alte Schulhaus neben
dem ehrwürdigen Rathaus ist in jüngster Zeit um- und ausgebaut worden, und der
ehemalige Schulraum wurde zum Saal für die verschiedensten Veranstaltungen
erweitert. Auch die evangelische Kirchengemeinde darf mit Stolz auf das neu
errichtete, kirchlichen Zwecken dienende Gemeindezentrum hinblicken. Der von den
Einwohnern gewählte Ortschaftsrat wacht über die Wahrung der ortseigenen
Interessen in Zusammenarbeit mit dem Stadtrat von Bad Liebenzell.
So hat, trotz mancherlei Veränderungen und der Verdoppelung seiner Einwohnerzahl, der Ort etwas von seiner ruhevollen, dörflichen Atmosphäre bewahrt und zieht weiterhin viele Kur- und Feriengäste an.
| Unterlengenhardt-Karte in map24 |
Eingestellter Standort: Johannes-Kepler-Str. 19 |