Die Entstehung des Sanatoriums Burghalde

(aus einer Broschüre von 1985 "50 Jahre anthroposophische Initiativen in Unterlengenhardt"

hrsg. vom 'Verein für ein erweitertes Heilwesen' - heute 'Verein anthroposophisches Heilwesen')

 

Es war im Jahre 1934, als Frau Clarita Berger den Impuls hatte, für Dr. med. Eugen Kolisko*) eine Stätte zu schaffen, in der seine große ärztliche Kunst auch Patienten in einer stationären Behandlung zugute kommen könnte. Dr. Kolisko war der erste von Rudolf Steiner berufene Schularzt der Waldorfschulbewegung an der 1919 begründeten ersten Schule in Stuttgart.

 

Auch war geplant, ein Kinderheim einzurichten sowie an der Pflege des Bodens und einer gesunden Ernährungsgrundlage im Sinne der biologisch-dynamischen Landwirtschaft zu arbeiten. Auf der Suche nach einem geeigneten Anwesen entdeckte Frau Berger zusammen mit Herrn und Frau Dr. Kolisko in Unterlengenhardt das von der Ortskrankenkasse zum Verkauf angebotene Erholungsheim Burghalde. Das Gebäude mit großem Gartengelände in seiner freien Schwarzwaldhöhenlage am Ende des friedlichen, verschollenen Bauerndorfes schien auch baulich für den vorgesehenen Zweck sehr geeignet. So wurde Ende 1934 der Kaufvertrag unterzeichnet, und es konnte im April 1935 gemeinsam mit Dr. Helene von Grunelius in dem neueröffneten Sanatorium Burghalde mit 24 Betten die medizinische Arbeit begonnen werden. Sie strahlte zudem durch eine noch im gleichen Jahr veranstaltete medizinische Tagung auch nach außen.

 

Damals konnte niemand wissen, wie lange noch die anderen, oben angedeuteten Pläne zu ihrer Verwirklichung brauchen würden. Auch konnte niemand ahnen, welche vielfältigen Entwicklungen und überraschenden Erweiterungen sich in den nächsten fünf Jahrzehnten um den ursprünglichen Impuls - trotz mancherlei Schwierigkeiten und menschlicher Enttäuschungen - herumgliedern sollten.

Dr. Kolisko wurde einmal von Margot Rößler befragt, warum er immer nach dem Abendbrot unauffindbar sei. Da antwortete er: »Ich gehe über Wiesen und Felder und versuche geistige Keime in den Boden zu legen. Ich gehe zu den Bauern im Dorf, um bei einem Gespräch Keime zu legen, damit einmal an diesem Ort ein Zentrum der medizinischen anthroposophischen Arbeit entstehen kann.« Nicht zuletzt die politische Lage im Dritten Reich, das Verbot der anthroposophischen Gesellschaft und die Aussicht, nicht mehr in Deutschland anthroposophisch arbeiten zu können, veranlaßten Dr. Kolisko, schon im Herbst 1936 nach England zu übersiedeln, wo er bereits 1939 einen frühzeitigen Tod fand. Die medizinische Arbeit wurde weitergeführt unter der Leitung von Dr. Ilse Knauer und seit 1939 von Dr. Wilhelm Engelen, der hierfür seine ärztliche Praxis in Saarbrücken aufgab. Bei ihm war bereits 1939 Dr. Walther Bühler als Assistenzarzt tätig.
 

Im Krieg wurde das Sanatorium 1940 für die Einrichtung eines NS-Kinderheims behördlich geschlossen und nach Kriegsende-nach einer kurzen Wiederinbetriebnahme- erneut von der französischen Besatzungsmacht für Kinder beschlagnahmt. So verließ Dr. Engelen Unterlengenhardt, um in Esslingen eine Praxis zu eröffnen.
 

Nach der Freigabe des Hauses übernahm 1949 Dr. Walther Bühler anfangs gemeinsam mit Dr. Hans-Heinrich Krause, später mit Dr. Heinz-Hartmut Vogel, die ärztliche Leitung. Es folgten fünf Jahre intensiver anthroposophisch-medizinischer Arbeit im »Klinisch-therapeutischen Institut Burghalde«, wie die Krankenanstalt nun benannt worden war. Die Geschäftsführung hatte der Sohn von Frau Berger, Ludwig Berger, inne. Er verwaltete zugleich insgesamt 18 Jahre als Bürgermeister die Gemeinde. Er genoß das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung und der Hinzugezogenen und konnte zwischen beiden Gruppierungen menschlich vermitteln.

 

*) Mehr zu Dr. Kolisko erfahren Sie auf den Webseiten der

"Eugen Kolisko Schule - Freie Waldorfschule Havelhöhe"

Heute erinnert an ihn das "Eugen Kolisko Haus", in dem die Alteninitiative Unterlengenhardts untergebracht ist.